Die Auslandssendungen des Tschechischen Rundfunks 
1-12-2020, 11:59 UTC
Ostern in Tschechien
 

Ein außergewöhnlicher Kreuzweg


Während der Ostertage konzentrieren sich die Christen auf das Leiden und die Auferstehung Jesu Christi. Das Kreuzweg-Beten ist eine alte Andachtsform. Der Kreuzweg hat vierzehn Stationen, die den Weg Jesu in den Tod darstellen. In der Kirche der Jungfrau Maria Königin des Friedens (P. Marie Královny Míru) im Prager Stadtteil Lhotka befindet sich ein Kreuzweg, der im europäischen Maßstab einzigartig ist. Das Kunstwerk verdeutlicht die Stationen des Kreuzwegs Jesu in Leidenssituationen von Menschen im Laufe der Geschichte. Der Kreuzweg wurde in den politisch schwierigen Zeiten nach dem "Prager Frühling" von 1968 vom Pfarrer der Gemeinde von Lhotka, Vladimír Rudolf, entworfen und der tschechische Bildhauer Karel Stádník hat ihn in den Jahren 1973-1975 aus Kunstharz geschaffen. Auf unseren Webseiten können Sie die einzelnen Stationen sehen.
1. Station: Die Todesangst Jesu im Garten Gethsemane

Die Menschen hatten seit jeher Angst vor Naturkatastrophen, Seuchen, Willkür der Mächtigen und Kriegen. Die Angst der Menschheit ist im Kreuzweg von Lhotka durch den Atompilz von Hiroshima und die Gestalt einer verzweifelten Mutter dargestellt, zu der sich erschrockene Kinder flüchten.
2. Station: Jesus wird ausgepeitscht

Eine Galeere ist hier zu sehen, eines der Schiffe, auf denen Gefangene ausgepeitscht, durch Schmerzen ausgemergelt, von Durst ausgebrannt und dem Tod ausgeliefert wurden. Die Gefangenen sind angekettet, sie führen die Ruder in einem monotonen Tempo. Der Befehlshaber steht oben mit einer Peitsche in der Hand.
3. Station: Jesus wird zum Tode verurteilt

Der Künstler versetzt die Verurteilung Jesu nach Frankreich in das Jahr 1431, wo auf dem Altmarkt von Rouen vor dem geschlossenen Kircheneingang Jeanne d´Arc steht und stumm ihre in Ketten gelegenen Hände betrachtet. Der Bischof hat soeben im Namen des Gerichtstribunals das Urteil verlesen, in dem er sie zur Abtrünnigen, Götzendienerin und Teufelsbeschwörerin erklärt. Jeanne wird vom prüfenden Blick von vier selbstsicheren Männern getroffen: von einem Priester, einem Kardinal, einem Richter und einem Mönch.
4. Station: Jesus nimmt sein Kreuz auf sich

Christen warten auf ihren Tod im Kolosseum in Rom, wo blutige Spiele zur Belustigung der Menschenmasse veranstaltet werden. Ähnlich wie Jesus, der verurteilt wurde und sein Kreuz auf sich nehmen musste, nehmen auch diese Christen ihr persönliches Kreuz auf sich.
5. Station: Jesus begegnet seiner Mutter

Inmitten einer Plattenbausiedlung steht eine große Gestalt der Jungfrau Maria und um sie herum versammeln sich Menschen, die in Not sind. Jungfrau Maria wartet überall auf dieser Welt auf ihre Kinder, die ihr Kreuz tragen.
6. Station: Jesus fällt unter dem Kreuz

Es ist hier ein Kind zu sehen, das Selbstmord begangen hat. Seine Mutter hat sich nicht um es gekümmert. Neben dem Kind liegt sein letzter und vielleicht einziger Freund - ein Stoffbär.
7. Station: Simon von Cyrene hilft Jesu das Kreuz zu tragen

Schauplatz Konzentrationslager Auschwitz. Beim Appell der Gefangenen im August 1941 wurden zehn Gefangene zum Tod verurteilt. Aus der Reihe der Nichtverurteilten trat der Häftling Nr. 16670 aus, der Franziskanerpater Maximilian Kolbe, und meldete sich freiwillig, anstelle eines verurteilten Familienvaters in den Tod zu gehen.
8. Station: Veronika reicht Jesu ein Schweißtuch

Das Antlitz Jesu, voll Leiden, ist in der Mitte. Das Tuch umgibt das Gesicht wie ein Bilderrahmen. Einen zweiten, inneren Rahmen stellen Menschen am Rande dar, die aus Scham und Schmerz zu Boden schauen. Das Schweißtuch verbindet das Bild des geschundenen Heilandes mit dem der geplagten Kreatur.
9. Station: Jesus wird seiner Kleider beraubt

Zerstörte Städte oder Dörfer - ein Bild, wie wir es aus vielen Fernseh- und Zeitungsnachrichten kennen. Menschen sind auf der Flucht, nur noch in ein paar Fetzen gekleidet. Eine Frau liegt auf dem Boden, schützend über ihrem Kind. Millionen von Menschen haben in unserem Jahrhundert ihre Wohnungen infolge von Kriegen oder Naturkatastrophen verloren.
10. Station: Jesus wird ans Kreuz genagelt

Eine Hand, durch eine dünne Nadel durchstoßen, erinnert an die Hand eines jungen Arztes, der ein Serum zur Heilung einer schweren Krankheit erfunden und sich dabei selbst geopfert hat.
11. Station: Jesus stirbt am Kreuz

Das Kreuz wächst wie ein Baum aus dem Boden der Kirche und überragt alle anderen Kreuzwegstationen. Auf dem Kreuz hängt die überlebensgroße Gestalt Jesu. Das Kreuz ist gebildet aus goldenen Strahlen, die in der Form an Stacheldraht, Gefangenschaft, Tod erinnern. Doch die goldene Farbe weist darauf hin, dass Verderben und Tod nicht das letzte Wort haben werden. Der todbringende Baum des Kreuzes wird zum Baum des Lebens.
12. Station: Jesus wird in den Schoß seiner Mutter gelegt

Die vom Schmerz gezeichnete Mutter hält den toten Sohn auf ihrem Schoß. Die Pieta von Lhotka zeigt jedoch nicht den Leichnam des erwachsenen Jesus, sondern ein in ein Leichentuch gewickeltes Kind, das vor Hunger starb.
13. Station: Jesus wird ins Grab gelegt

Nach der Schlacht von Waterloo sucht Feldherr Wellington mit seinem Adjutanten nach einer Spur von Leben. Die tödliche Botschaft der Kanone ist überall hingelangt, das Land von Granaten umgepflügt. Nur am Horizont ist kahler Baum zu sehen und ein paar schiefe Kreuze ragen über den Gräbern der Getöteten empor.
14. Station: Christus ist auferstanden

Auf der letzten Station blicken alle Gestalten des Kreuzwegs nach vorn zum lebensgroßen Christus, und er lädt sie in sein Königreich ein.

Internetseiten der Pfarrgemeinde der Kirche Jungfrau Maria Königin des Friedens: www.netservis.cz/lf/



| Zurück |