Die Auslandssendungen des Tschechischen Rundfunks 
20-11-2018, 21:21 UTC
Reality-Gorillas
 


Im tschechischen Privatfernsehen drängen sich derzeit die Reality-Shows. Nun hat auch Tschechische Rundfunk seine eigene Show - allerdings eine wirklich ungewöhnliche: Die Stars von ODHALENI, zu Deutsch "Entdeckungen", sind nicht Menschen, sondern die vier Gorillas des Prager Zoos. 16 Kameras erlauben dank Internet-Übertragung 24 Stunden am Tag einen Einblick in ihr Leben - zu sehen unter der Adresse www.rozhlas.cz/odhaleni/portal/ (in englischer Sprache www.rozhlas.cz/odhaleni/english). Die Zuschauer können auch via SMS ihren Lieblingsgorilla wählen. Der Reinerlös aus der Abstimmung fließt in Schutz von Gorillas in der freien Wildbahn. Es handelt sich um wirklich ein multimediales Projekt, das Internet, Fernsehen und den Rundfunk mit einbezieht. Kurze Ausschnitte von dem Geschehen im Gorillapavillon des Prager Zoos (www.zoopraha.cz), strahlt täglich der Nachrichtenkanal des Tschechischen Fernsehens CT 24 aus; Berichte laufen außerdem auf allen Stationen des Tschechischen Rundfunks. Das Projekt ODHALENI wurde am 7. November 2005 gestartet und läuft noch bis zum 15. Januar 2006.

16 Kameras verfolgen seit zwei Wochen das Leben der vier Gorillas im Prager Zoo zwischen Kletterseil und Futterstelle. Die Zuschauer können das Geschehen im Gehege rund um die Uhr live im Internet verfolgen. Zoodirektor Petr Fejk befürchtete zunächst einen billigen Medienspaß im Anschluss an die Fernsehshows, als Redakteure des Tschechischen Rundfunks mit der Idee auf ihn zutraten:

"Dann habe ich aber verstanden, dass dieses Projekt in eine ganz andere Richtung zielt und das Team vielmehr einen sinnvollen Gegensatz zu diesem aktuellen Genre sucht - und da war ich sicher, dass uns das helfen kann. Zudem haben uns die Kollegen vom Tschechischen Rundfunk angeboten, dass die Gorilla-Show die gleichen Regeln wie das menschliche Format haben kann. Die Zuschauer können auch per SMS abstimmen, und damit sind dann Einnahmen verbunden, die in Schutzprojekte für frei lebende Gorillas fließen können."

Im Gegensatz zum menschlichen Vorbild muss bei der tierischen Show der Verlierer der Wahlen den Käfig allerdings nicht verlassen. Daher wird auch nicht nur über die Popularität abgestimmt - derzeit dürfen die Zuschauer die Frage beantworten, welcher der Gorillas ihrem Chef am ähnlichsten sieht. Bei der Aktion geht es aber nicht nur darum, den geistlosen Reality-Shows einen satirischen Spiegel vorzuhalten. Auf den Internetseiten und in den täglichen Berichten auf der Wissenschaftswelle Leonardo und im Nachrichtenkanal CT 24 können die Zuschauer mehr aus dem Leben der Gorillas erfahren und sollen für die Probleme des Artenschutzes sensibilisiert werden. Mit den ersten Reaktionen ist Leonardo-Chefredakteur Miroslav Bobek sehr zufrieden:

"Der Widerhall ist überraschend breit und überraschend gut. Die Einträge in unseren Diskussionsforen zeigen, dass gut 95 Prozent der Diskussionsteilnehmer von der Idee begeistert sind. Was die Breite der Reaktionen angeht, haben wir erfahren, dass zum Beispiel Fox News in den USA über die Show berichtet hat, aber auch viele andere bedeutende Medien in allen möglichen Staaten der Welt."

Dem tierischen Gesamtsieger winkt zum Abschluss der Gorilla-Show im Januar übrigens auch ein Hauptpreis: zwölf Melonen statt elf Millionen Kronen wie beim menschlichen Pendant VyVoleni.


Foto: Khalil Baalbaki, www.rozhlas.cz/odhaleni