Die Auslandssendungen des Tschechischen Rundfunks 
20-3-2010, 10:14 UTC
Geschichte von Radio Prag
  Neubeginn

Gleich nach Kriegsende wurden die Auslandssendungen wieder aufgenommen. Zunächst sendete man in Englisch, Deutsch, Französisch und Italienisch. 1946 kam es zur ersten großen Erweiterung.

Die wichtigste Veränderung war die, dass nun ungefähr die Hälfte der Zeit in die Länder des sog. Ostblocks gesendet wurde: Polen, die Ostzone Deutschlands, Ungarn, Bulgarien, die Sowjetunion, Jugoslawien, es gab sogar Programme in Sorbisch. Man unterschied, in welche Länder gesendet wurde und begann z.B. die deutschsprachigen Sendungen zu unterteilen in Sendungen für Deutschland, Österreich und die Schweiz. In einige Länder wurde in mehreren Sprachen gesendet. Auch weiterhin war Esperanto eine der Sprachen von Radio Prag.

Zur Illustration der Nachkriegsorientierung der Auslandssendungen und des Tschechoslowakischen Rundfunks wollen wir die Worte des Direktors des Tschechoslowakischen Rundfunks Bohuslav Lastovicka aus dem Jahre 1946 anführen:

"Im vergangenen Jahr wuchs ein neuer Ast unserer Programmtätigkeit in Form der Auslandssendungen. Diese Sendungen hat der Tschechoslowakische Rundfunk auf eigene Initiative ins Leben gerufen, in Hinblick auf die Bedeutung, die diesen für unsere Republik zukommt. Mit Stolz können wir heute sagen, dass es uns, auch wenn wir nur über einen unvollkommenen Kurzwellensender verfügen, gelungen ist, dank seiner guten Qualität ein relativ großes Echo im Ausland zu erzielen, wie die stets wachsende Korrespondenz belegt. Selbst verantwortliche Staatsbeamte sind sich wohl nicht im Klaren darüber, was für eine enorm verdienstvolle Aufgabe der Rundfunk in diesem Fall für den Staat übernommen hat und wie effektiv er verschiedensten Gerüchten und Kampagnen, die über unsere Republik im Ausland kursieren, entgegenwirkt und Sympathien für unseren Staat erweckt. Es wird nötig sein, dieses Programm noch zu erweitern und es mit zweckmäßigen Mitteln auszustatten."

Nach dem Krieg änderte sich die Programmzusammensetzung erheblich. Im Gegensatz zur Vorkriegszeit überwogen jetzt Wortbeiträge. Sie machten nun rund 90 % der Sendezeit aus, der Rest wurde mit Musik gefüllt. Die viertelstündigen Sendungen bestanden aus Nachrichten, danach folgten Beiträge, Gespräche und Rubriken. Unter den Rubriken dieser Zeit finden wir Namen wir "Stimme der Frauen", "Stimme der Gewerkschaft", "Jugendschau", "Politischer Kommentar". Die Beiträge waren von den Losungen des kommunistisch gefärbten Kaschauer Regierungsprogramms, der Erfüllung der Wirtschaftspläne, der Propaganda der sozialistischen Errungenschaften des tschechoslowakischen Volks u.ä. geprägt. Es ist offenkundig, dass der Tschechoslowakische Rundfunk die Nachkriegsteilung der Welt und die Orientierung auf die Sowjetunion respektierte.


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