Die Auslandssendungen des Tschechischen Rundfunks 
22-11-2019, 05:37 UTC
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17. November
In diesem Jahr erinnert die Tschechische Republik zum siebten Mal in Form eines Staatsfeiertags an den 17. November als "Tag des Kampfes der Studenten für Freiheit und Demokratie". Dieser Tag ist gleich zweimal in die Geschichte eingegangen: aufgrund der Verfolgung tschechischer Studenten durch die deutschen Okkupanten im Jahr 1939 und fünfzig Jahre später durch das Eingreifen der Sicherheitskräfte gegen die Studentendemonstration, die den Demokratisierungsprozess in der damaligen Tschechoslowakei eingeleitet hat. Die darauf folgenden Ereignisse werden heute als "Samtene Revolution" bezeichnet.
17. November 1939
Anlässlich des Jahrestags der Gründung der unabhängigen Tschechoslowakei im Jahr 1918 gingen am 28. Oktober 1939 tschechische Studenten auf die Straßen, um gegen die nationalsozialistische Okkupation zu protestieren. Die Demonstration wurde brutal zerschlagen, indem die Besatzer in die Menge schossen.
Einer der Studentenführer, Jan Opletal, wurde dabei schwer verletzt und erlag schließlich seinen Verletzungen. Seine Beerdigung geriet zu einer massiven Demonstration gegen die Okkupanten, an der Tausende Menschen teilnahmen. Die brutale Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. In der Nacht auf den 17. November 1939 schlossen die Nationalsozialisten die tschechischen Hochschulen. In der Folge wurden neun Studenten hingerichtet und 1200 ins Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert.
Noch während des Zweiten Weltkriegs wurde dieser Tag zum Internationalen Studententag erklärt.


17. November 1989
50 Jahre später versammelten sich am 17. November in Prag etwa 15.000 Studenten, um Jan Opletals zu gedenken. Die Versammlung, die von den kommunistischen Behörden toleriert wurde, endete auf dem Prager Nationalfriedhof auf dem Vysehrad.
Danach gingen die Studenten aber nicht auseinander, sondern machten sich trotz des polizeilichen Verbots auf den Weg ins Stadtzentrum, um auf das reformfeindliche Handeln der damaligen kommunistischen Führung hinzuweisen. Auf dem Weg schlossen sich weitere Menschen dem friedlichen Umzug an.
Auf den Wenzelsplatz gelangten sie jedoch bereits nicht mehr. Auf der Nationalstraße wurden die wehrlosen Studenten von Polizeispalieren umschlossen und brutal zusammengeschlagen. Fast 600 Demonstranten wurden verletzt. Die Öffentlichkeit war geschockt von der Brutalität des Polizeieinsatzes. Gleich am nächsten Tag riefen die Studenten der Prager Hochschulen einen unbefristeten Streik aus, dem sich in der Folge auch Schauspieler von Prager Theatern anschlossen. Am 19. November wurde das Bürgerforum gegründet, das sich zum Sprecher der protestierenden Öffentlichkeit etablierte und für das kommunistische Regime zum Dialogpartner wurde. Der Weg zur Demokratie war geebnet.

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