Die Auslandssendungen des Tschechischen Rundfunks 
14-10-2019, 21:19 UTC
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Im kommenden Jahr jährt sich zum 425. Mal der Geburtstag Albrecht von Wallensteins (eigentlich Waldstein) - eines böhmischen Adligen, der zugleich Generalissimus des Kaisers Ferdinand II. von Habsburg, ein hervorragender Geschäftsmann sowie Stratege und Politiker war, jedoch nie ein Krieger. Auf der anderen Seite war er ein Liebhaber der Künste, ein Architektur-Mäzen und Sponsor wohltätiger Stiftungen. Das alles sind Facetten Albrecht von Wallensteins, der sich durch seinen Ehrgeiz und seine Machtintrigen von einem Waisenkind zu einer der einflussreichsten Persönlichkeit im Europa des Dreißigjährigen Krieges hochgearbeitet hat.

Das Waldstein-Palais in Prag

Wallenstein ließ diesen Palast-Komplex in den Jahren 1623 bis 1630 errichten. Neben dem Schloss gehören auch der Waldstein-Garten und die Reithalle zu der Anlage. Das Areal des Palais misst 340 Meter in der Länge, die größte Breite beträgt 172 Meter. Teil des Gartens bilden das einzigartige Ensemble von Statuen, Figurengruppen und Brunnen. Die Statuen wurden im Jahre 1648 von schwedischen Truppen geraubt und sind heute durch Kopien ersetzt. Für die Rekonstruierung des Waldstein-Palais erkannte die Europäische Union am 9. Mai 2003 dem gegenwärtigen Verwalter des Areals, dem Senat der Tschechischen Republik, die Auszeichnung "Europa Nostra" zu.

Die Wallenstein-Städte
Friedland / Frydlant

Im Jahre 1625 wurde Albrecht von Wallenstein Generalissimus des kaiserlichen Heeres. Der Kaiser ernannte ihn zum Herzog der Herrschaft Friedland. Das Gebiet wurde schrittweise zu einem Herzogtum ausgestaltet und aus den Landtafeln gestrichen. Es entwickelte sich auf diese Weise zu einer Art Staat im Staate. In Friedland wurden keine Steuern erhoben und so galt die Gegend Wallensteins als terra felix, als glückliches Land. Das Wappen von Friedland wurde ein goldener Adler in goldenem Harnisch auf rotem Grund.
Jitschin / Jicin

Die Stadt Jicin war im 17. Jahrhundert Zentrum des Friedländer Herzogtums. Nach den Plänen von Albrecht von Wallenstein sollten hier ein Bischofssitz, eine Universität und ein eigener Landtag entstehen. Seit dem Jahr 1628 hatte Wallenstein das Recht, hier Münzen zu schlagen und Adelsbriefe zu verleihen. Wallenstein holte auch die Jesuiten nach Jitschin, die hier ein Kolleg gründeten. Auf dem Stadtplatz steht bis heute Wallensteins Fürstenpalast.
Eger / Cheb

Im Jahre 1634 wurde Wallenstein der Führung der kaiserlichen Armee enthoben und zum Verräter erklärt. Er reiste nach Eger, in der Absicht, dort ein Bündnis mit den Schweden zu schließen. Auf Befehl des Kaisers wurde Wallenstein hier aber am 25. Februar 1634 zusammen mit seinen Getreuen ermordet. Auf der Egerer Burg wurden zunächst Wallensteins Offiziere getötet, Wallenstein selbst wurde dann im Pachelbel-Haus am Stadtplatz im Schlaf von dem irischen Offizier Walter Deveroux erdolcht.


Im Zusammenhang mit dem Geburtsjubiläum Albrecht von Wallensteins wird in den so genannten Wallenstein-Städten eine Reihe von Veranstaltungen und Fachsymposien stattfinden. Höhepunkt wird eine umfangreiche Ausstellung in der Waldstein-Reitschule, dem heutigen Sitz des Senates, sein. Die Ausstellung wird am 15. November 2007 eröffnet und bis zum 15. Februar 2008 zu besichtigen sein. Sie entsteht in Zusammenarbeit des Nationalmuseums und des Militärhistorischen Instituts. Auf diese Weise wird Albrecht von Wallenstein aus einem neuen Blickwinkel vorgestellt. Es werden Exponate zu sehen sein, die bisher noch nicht der Öffentlichkeit zugänglich waren. Ebenso bietet die Ausstellung einen komplexen Überblick über die Zeit des Dreißigjährigen Krieges, das damalige Leben und die Kultur dieser Epoche in den böhmischen Ländern. Die einzige Ausstellung, die sich bisher der Persönlichkeit Albrecht von Wallensteins widmete, fand ebenso im Waldstein-Palais im Jahr 1934 anlässlich des 300. Jahrestages seiner Ermordung statt.

Fotogalerie von der Ausstellung



Feierliche Ausstellungseröffnung


Wallensteins Horoskop
Auf der Ausstellung wird auch ein einzigartiges Horoskop gezeigt. Es wurde bereits vor längerer Zeit in der Bibliothek des Nationalmuseums gefunden und ist auch schon in diversen Publikationen abgedruckt worden. Lange ahnte allerdings niemand, dass es sich dabei um das Horoskop Wallsteins handelt. Erst vor kurzem war den Museumsangestellten aufgefallen, dass auf dem Horoskop das Geburtsdatum Wallensteins vermerkt ist.