Die Auslandssendungen des Tschechischen Rundfunks 
14-12-2017, 08:03 UTC
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Mozart und Prag

2006 gedenkt die gesamt Musikwelt der 250. Wiederkehr des Geburtstags von Wolfgang Amadeus Mozart am 27. Mai sowie der 215. Wiederkehr seines Todestages am 5. Dezember. Die zentralen Feiern finden in Österreich statt, aber mit Blick darauf, dass Mozart auch mehrfach die Böhmischen Länder bereist und hier mit Erfolg seine Werke aufgeführt hat, werden die Jubiläen auch in Tschechien begangen. Zu diesem Zweck haben sich 16 tschechische Kultureinrichtungen verbunden und laden gemeinsam zu einer Reihe von Ausstellungen und Konzerten unter dem verbindenden Titel "Mozart Praha 2006" ein. Den einheimischen wie auch ausländischen Musikliebhabern bietet die Veranstaltungsreihe von Januar bis Dezember eine nahezu unübersehbare Vielfalt an Konzerten, Opernvorstellungen und anderen Veranstaltungen. Das komplette Programm finden Sie unter der Adresse www.mozartprague2006.com.


Die Aufenthalte Mozarts im Königreich Böhmen
Im Ganzen hat Mozart in Böhmen rund ein halbes Jahr seines Lebens verbracht. Sein erster Aufenthalt führte ihn weder nach Prag noch nach Böhmen, sondern nach Mähren. Im Herbst 1767 brach in Wien eine Pocken-Epidemie aus und Mozarts Vater, erzbischöflicher Kapellmeister in Salzburg, floh mit seinem 11-jährigen Wunderkind Wolfgang nach Olmütz, wo der Knabe aber doch an Pocken erkrankte. Dem jungen Virtuosen nahm sich der Rektor der Olmützer Universität, Graf Podstatsky, an. Nach zweimonatigem Aufenthalt in der Olmützer erzbischöflichen Residenz hatte der junge Mozart die Krankheit überstanden. Nach der Abreise aus Olmütz zu Weihnachten 1767 machte Mozart mit seinem Vater Station in Brünn, wo der junge Wolfgang am 30. Dezember ein Konzert gab. Zu Ehren Mozarts findet heute in Brünn ein Wettbewerb für junge Pianisten bis zum 11. Lebensjahr statt.
Die weiteren Reisen Mozarts in die Länder der böhmischen Krone sind bereits mit Prag verbunden. Im Dezember 1786 wurde im Prager Nostitz-Theater mit Erfolg Mozarts Oper "Figaros Hochzeit" aufgeführt. Zu Beginn des Jahres 1787 erhielt Mozart die Einladung, seine Oper selbst zu dirigieren. Der Komponist traf am 11. Januar 1787 in Prag ein und bezog ein Quartier im Palast Thun auf der Kleinseite. Am 17. Januar dirigierte er die Vorstellung des Figaro und wegen des großen Erfolges drei Tage später noch einmal. Ebenfalls im Nostitz-Theater führte Mozart am 19. Januar seine neue Symphonie D-dur auf, die daraufhin den Beinamen "Prager Symphonie" bekam. In Prag erhielt Mozart außerdem den Auftrag, eine Oper zum Don Juan-Stoff zu schreiben, und gleich nach seiner Rückkehr begann er die Arbeit zum "Don Giovanni"
Ältester erhaltener Theaterzettel einer Aufführung des Don Giovanni. Nostitz-Theater Prag, 23.9.1788 (Foto: CTK)Ältester erhaltener Theaterzettel einer Aufführung des Don Giovanni. Nostitz-Theater Prag, 23.9.1788 (Foto: CTK)
Der Beginn des zweiten Aufenthaltes in Prag fällt in den Oktober 1787, als Mozart anreiste, um die Premiere des Don Giovanni zu überwachen. Sein Quartier hatte er in einem Hotel unweit des Nostitz-Palastes, aber die meiste Zeit verbrachte Mozart bei dem Ehepaar Duschek in der Villa Bertramka. Dort fand er die Ruhe um das Finale und die Ouvertüre zum Don Giovanni zu vollenden. Daneben schrieb er für die Hausherrin Josepha Duschek die Konzertarie "Bella mia fiamma, addio". Die Uraufführung des Don Giovanni am 29. Oktober im Nostitz-Theater war einer von Mozarts größten Triumphen, den er mit diesem Werk anderswo nicht wiederholen konnte.
Der letzte Aufenthalt Mozarts in Prag ist verbunden mit der Krönung Leopolds II. zum tschechischen König am 6. September 1791. Die böhmischen Stände hatten zu diesem Anlass bei Mozart eine Oper bestellt. Gegen Ende August kam Mozart nach Prag, um sein neues Werk "La Clemenza di Tito" einzustudieren. Zunächst dirigierte er im Nostitz-Theater seinen Don Giovanni, und natürlich leitete er auch die Uraufführung von La Clemenza di Tito am Krönungstag. Die Oper verfehlte allerdings ihre Wirkung auf den Wiener Hof und Mozart kehrte enttäuscht nach Wien zurück. Auf das Drängen des Klarinettisten Anton Stadler aus dem Prager Orchester schrieb er noch das Konzert für Klarinette A-Dur, das am 16. Oktober in Prag aufgeführt wurde. Kurz darauf, am 5. Dezember 1791, starb Wolfgang Amadeus Mozart in Wien.
Über die stürmische Aufnahme der Werke Mozarts durch das Prager Publikum gibt es viele Legenden. An dem angeblichen Ausspruch des Komponisten "Meine Prager verstehen mich" entzündete sich gar ein Streit zwischen der österreichischen Landsmannschaft und tschechischen Musikwissenschaftlern - beide Seiten beanspruchten die Äußerung für die eigenen Reihen. Sicher ist, dass Mozart mit seinen Werken, allen voran mit Figaros Hochzeit und dem Don Giovanni, in der Prager musikalischen Öffentlichkeit große Erfolge feierte. Ein Beleg dafür ist auch die Trauerfeier, die nach Mozarts Tod Mitglieder des Prager Orchesters am 14. Dezember in der Sankt-Nikolaus-Kirche auf der Kleinseite ausrichteten und an der 4000 Prager teilnahmen, um sich von dem großen Komponisten zu verabschieden.


Prager Orte, die an Wolfgang Amadeus Mozart erinnern

Das Ständetheater
Erbaut von dem Kunstmäzen Graf Franz Anton Nostitz-Rieneck als Bühne für deutsche Opern und Schauspiele, hier wurde aber auch in tschechischer Sprache gespielt. Das Gebäude im klassizistischen Stil wurde Mitte der 1780er Jahre vollendet. Mozart war einer der ersten Komponisten, dessen Werke hier aufgeführt wurden. 1798 erwarben die Böhmischen Stände das Theater. Von dieser Zeit an trug es den Namen "Königliches Ständetheater." Im 19. Jahrhundert konzertierten hier unter anderem Nicolo Paganini und Gustav Mahler. 1948 wurde die Bühne zum Tylovo divadlo, Tyl-Theater, 1990 erfolgte die Rückbenennung zum Ständetheater. Gegenwärtig gehört die Bühne zum Nationaltheater in Prag (www.nd.cz). Hier finden im Rahmen des Mozart-Jahres eine Reihe von Konzerten und Opern statt.

Die Villa Bertramka
Die Villa Bertramka wurde an der Wende vom 17. zum 18 Jahrhundert ursprünglich als Landsitz am Rande Prags erbaut. Im Jahre 1784 kauften das Anwesen die bedeutende Prager Sängerin Josepha Duschek und ihr Ehemann, der Pianist und Komponist Xaver Duschek. Mozart hielt sich in der Villa bei seinem zweiten Prag-Besuch im Jahre 1787 auf, als er den Don Giovanni fertigstellte, außerdem auch bei seinem letzten Aufenthalt in Prag 1791. Nach Mozarts Tod lebten in der Villa einige Zeit seine Söhne. Im Jahre 1838 wurde die Villa von Lambert Popelka erworben, dessen Sohn Adolf Kontakt zu dem älteren Mozart-Sohn Thomas anknüpfte. Im Garten ließ er eine Büste des Komponisten aufstellen, einige Zimmer machte er der Öffentlichkeit zugänglich und veranstaltete auch eine Gedenkfeier zum 100. Jahrestag der Uraufführung des Don Giovanni. Gast dabei war auch Antonin Dvorak. Die letzte Eigentümerin vermachte die Villa im Jahre 1925 der Salzburger Stiftung Mozarteum. Im Jahre 1929 kaufte die Villa die Mozart-Gesellschaft, in deren Eigentum sie bis 1986 verblieb, als sie auf den tschechischen Staat überging. Im gleichen Jahr wurde eine ständige Ausstellung über Wolfgang Amadeus Mozart und das Ehepaar Duschek in der Villa eröffnet. Unter anderem können Besucher hier eine Locke Mozarts bewundern, außerdem das Klavier, auf dem Mozart im Jahre 1787 gespielt hat. Das Museum Bertramka (www.bertramka.com) ist eine der populärsten Prager Sehenswürdigkeiten. Hier finden zahlreiche Mozart-Konzerte statt.

Das Kloster Strahov
Das Prämonstratenserkloster auf dem Strahov (www.strahovskyklaster.cz) ist ein einzigartiger, überwiegend barocker Gebäudekomplex in unmittelbarer Nähe der Prager Burg mit Ausblick auf das Panorama Prags. In seiner Mitte befindet sich die Maria-Himmelfahrts-Kirche mit der berühmten Orgel. Auf ihr spielte Mozart im Jahr 1787, als er die Basilika mit Josepha Duschek besuchte. Das Gelände des Strahover Klosters ist für die Öffentlichkeit zugänglich. Neben den sakralen Gebäuden befindet sich hier auch das Museum des nationalen Schrifttums mit einer ständigen Ausstellung zur tschechischen Literatur und wechselnden Sonderausstellungen.

Das Klementinum
Das ursprüngliche Jesuitenkolleg, gegründet im Jahr 1556 in der Nähe der Karlsbrücke, gehört neben der Karlsuniversität zu den wichtigsten Bildungseinrichtungen im böhmischen Königreich. Der Barockkomplex, erbaut vom 16. bis zum 18. Jahrhundert, ist nach der Prager Burg das zweitgrößte Architekturensemble Prags und enthält mehrere Kirchen und Höfe. Nach der Aufhebung des Jesuitenordens im Jahre 1773 wurde hier ein Teil der Prager Universität und die Kaiserliche Bibliothek untergebracht. Die Bibliothek wurde im Jahre 1775 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Seit demselben Jahr werden hier auch fortlaufende meteorologische Aufzeichnungen durchgeführt. Mozart besuchte das Klementinum und seine Bibliothek im Jahre 1787. An den Besuch erinnert die Büste des Komponisten am Eingang in die Spiegelkapelle. Heute befindet sich im Klementinum die Nationalbibliothek der Tschechischen Republik (www.nkp.cz). In den Sälen der Bibliothek finden Ausstellungen und Konzerte statt. Für Besucher zugänglich ist auch die barocke Bibliothek und der astronomische Turm.

Das Clam-Gallas-Palais
Das barocke Palais im Zentrum Prag, wurde im 17. und 18. Jahrhundert für das Adelsgeschlecht der Gallas, später Clam-Gallas, erbaut, die für ihre Unterstützung der Künste bekannt waren. Das Palais wurde zu einem bedeutenden Zentrum des kulturellen und wissenschaftlichen Lebens in Prag. Es wurde auch von Mozart und seiner Gattin Constanze in Begleitung von Josepha Duschek besucht, später auch von Beethoven. Im 20. Jahrhundert vermieteten die Eigentümer Teile des Palais an Behörden; für kurze Zeit hat hier unter anderem auch Franz Kafka gearbeitet. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging das Gebäude in das Eigentum der Stadt Prag über. Hier sitzt das Archiv der Hauptstadt Prag (www.ahmp.cz) und es finden hier Ausstellungen und Konzerte statt.

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