Die Auslandssendungen des Tschechischen Rundfunks 
25-6-2017, 13:54 UTC
Thema
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Der Tschechische Rundfunk in Daten
Autor: Miroslav Krupicka
Die ersten Versuche, auf dem Gebiet der Tschechoslowakei Rundfunkübertragungen zu senden, wurden bereits nach dem Ersten Weltkrieg unternommen. Am 28. Oktober 1919 wurde anlässlich des ersten Jahrestages der Gründung der Ersten Tschechoslowakischen Republik auch die erste Rundfunksendung übertragen. Sie bestand aus gesprochenem Wort und Musik. Gesendet wurde von der Militär-Sendestation auf dem Aussichtsturm am Prager Petrin.
Die erste regelmäßige Radiosendung begann am 18. Mai 1923 um 20:15 Uhr. Sendeort war ein Militärzelt, dass sich im heutigen Prager Stadtteil Kbely befand. Das einstündige Programm bestand aus einer kurzen Ankündigung, auf die ein Konzert folgte. Die Sendung wurde auf Langwelle übertragen. Die Tschechoslowakei war somit nach Großbritannien das zweite Land in Europa, das regelmäßig Rundfunksendungen übertrug.
Als "Pioniere" des Rundfunkbetriebs werden Milos Ctrnacty, Journalist und Mitglied der "Vereinigung tschechischer Journalisten", Eduard Svoboda, Unternehmer im Bereich Radiotelephonie, und Ladislav Sourek, Leiter der Rundfunkempfänger herstellenden Firma "Radioslavia", bezeichnet. Diese drei Männer gründeten die Gesellschaft "Radiojournal - tschechoslowakische radiotelefonische Nachrichten". Die Firma "Radiojournal" war eine Gesellschaft mit begrenzter Haftung. Den größten Teil des Firmenkapitals besaß die Firma "Radioslavia". Ihre Sendelizenz erhielt die Gesellschaft vom Postministerium. Milos Ctrnacty wurde Programmdirektor, Alois Svoboda übernahm die technische Leitung. Haupteinnahmequelle der Gesellschaft stellten Konzessionsgebühren dar, also Gebühren, die für den Besitz von Rundfunkempfängern zu entrichten waren. Die erste Vereinbarung dieser Art wurde im September 1923 geschlossen, und dies bedeutete auch die ersten Einnahmen für die Gesellschaft. Um für die Rundfunksendungen zu werben und die Einnahmen aus den Konzessionsgebühren zu steigern, wurde an verschiedenen Orten in Prag "öffentlich", sprich für Leute ohne Radioempfänger, gesendet. Im Jahre 1923 wurde außerdem erstmals die Monatszeitschrift "Radiojournal" herausgegeben, die über das Rundfunkprogramm informierte.
Im Januar 1924 wurde die erste Sendung für Hörer im Ausland übertragen. Die Sendesprachen waren Englisch und Esperanto. Im Mai desselben Jahres tauchte in der tschechischen Presse zum ersten Mal das tschechische Wort "rozhlas" für den Rundfunk auf. Bis dahin hatte man das Wort "radiofonie" oder das englische "broadcasting" verwendet. Im Dezember 1924 beendete der Sender den Betrieb im Militärzelt in Prag Kbely und zog in ein Post-Gebäude in der Fochova trida, der Straße die heute Vinohradska heißt.
Im Jahre 1925 übertrug die Gesellschaft "Radiojournal" zum ersten Mal live ein Konzert der Tschechischen Philharmonie, einen Gottesdienst und schließlich auch eine Rede des tschechoslowakischen Präsidenten T.G. Masaryk. Da die Erste Tschechoslowakische Republik ein Vielvölkerstaat war, nahm die Gesellschaft auch den Sendebetrieb für die deutsche, die ungarische und ruthenische Minderheit auf. Die Erträge aus den Konzessionsgebühren reichten für den weiteren Ausbau des Senders nicht aus. 1925 wurde deshalb der Staat zum Haupteigner des "Radiojournals" und zwar über das Postministerium.
Im Jahre 1926 wurden einige Neurungen eingeführt: Ein Zeitsignal und regelmäßige Nachrichtensendungen gingen von nun an über den Äther. Vorbereitet wurden die Nachrichten von der CTK - der tschechoslowakischen (inzwischen tschechischen) Nachrichtenagentur. Außerdem wurde das erste Hörspiel gesendet, und die Sender in Brno (Brünn) und Bratislava (heute Hauptstadt der Slowakischen Republik) wurden in Betrieb genommen. Ebenfalls im Jahre 1926 gründete das Radiojournal ein Orchester, aus dem das heutige Symphonie-Orchester des Tschechischen Rundfunks hervorgegangen ist. Ende der 1920er Jahre nahmen zwei weitere Sender ihre Arbeit auf: der in Ostrava (Ostrau) und der in Kosice (heute slowakisch).
Seine Blüte erlebte der "Rundfunk der Vorkriegszeit" in den 1930er Jahren. Die Zahl der Konzessionsgebühren zahlenden Hörer stieg stetig, und im Jahre 1937 konnte bereits der millionste Besitzer eines Rundfunkempfängers registriert werden. Das Programm umfasste praktisch alle Genres: angefangen bei Informations- und Ratgebersendungen über Sportreportagen bis hin zu Musikprogrammen und Kabarett. Die Angebotspalette des Senders umfasste daneben auch kurze Programme in Esperanto, Englisch und Deutsch, die für Hörer im Ausland bestimmt waren. Zur Verbesserung des Sendebetriebs trugen verschiedene technische Neuheiten bei. Mitte der 1930er Jahre wurde beispielsweise das sogenannte "Blattnerphon" eingeführt, das der Vorläufer des heutigen Magnetophons war und Töne auf Metallbändern aufzeichnete. Ende 1933 zog der Sender innerhalb der Fochova trida (heute Vinohradska) in das Gebäude um, in dem er bis zum heutigen Tage seinen Sitz hat.
In den 1930er Jahren begannen einige europäische Länder (Großbritannien, Deutschland, Russland) über Kurzwelle zu senden. Angesichts des nahenden Krieges versuchten sie auf diese Weise Hörer im Ausland für ihre politischen Überzeugungen zu gewinnen und die Tschechoslowakische Republik ging ebenfalls auf diese Form der Propaganda ein: Am 31. August 1936 begann die Gesellschaft Radiojournal ebenfalls über Kurzwelle ins Ausland zu senden. Vier Stunden lang wurde täglich in fünf verschiedenen Sprachen gesendet und Ende der 1930er Jahre war der Sendeumfang gar um ein Vielfaches größer.
Nach der Okkupation der Tschechoslowakischen Republik und der darauffolgenden Errichtung des Protektorats Böhmen und Mähren im Jahre 1939 wurde der Rundfunk den Behörden des Protektorats unterstellt und jüdische Mitarbeiter mussten ihre Arbeit niederlegen. Die Kurzwellensendungen ins Ausland wurden auf zwei Stunden täglich und auf Tschechisch als Sendesprache beschränkt. In der Zeit des Zweiten Weltkrieges wurde von Moskau, Washington und London aus ins Protektorat gesendet. In London hatte zum damaligen Zeitpunkt die tschechoslowakische Exilregierung ihren Sitz. Das Hören dieser Sendungen wurde im Protektorat aber mit hohen Strafen geahndet.
Am 5. Mai 1945 begann der sog. Prager Aufstand, nachdem im Rundfunk dazu aufgerufen worden war. Im Zuge der darauffolgenden bewaffneten Auseinandersetzungen, die in der Nähe des Rundfunkgebäudes stattfanden, wurden etliche Menschen getötet und das Rundfunkgebäude stark beschädigt. Nach dem Krieg wurde der Kurzwellenbetrieb ins Ausland erneut aufgenommen. Der Bereich der Nachrichten wurde "reformiert". Waren die Nachrichten in der Vorkriegszeit von der Tschechoslowakischen Nachrichtenagentur CTK erarbeitet worden, nahm der Tschechoslowakische Rundfunk die Herstellung nun selbst in die Hand.
Als 1948 die kommunistische Regierung an die Macht kam, wurde der Tschechoslowakische Rundfunk verstaatlicht und in den folgenden vier Jahrzehnten sollte er "dem Volk und der kommunistischen Partei" dienen. Im Jahre 1948 fand in Prag die Rundfunkausstellung MEVRO statt, wo erstmals das Tschechoslowakische Fernsehen vorgestellt wurde.
Die 1950er Jahre waren geprägt von einem verschärften ideologischen Kampf und dem technischen Fortschritt. Der Tschechoslowakische Rundfunk sendete landesweit von zwei Studios aus: aus Prag und aus Bratislava, neue Sender wurden gebaut, und es entstanden neue Regionalsender. Im Jahre 1952 begann der Tschechoslowakische Rundfunk den Sender Radio Freies Europa abzuschaffen. Des weiteren entstand die "Hlavni sprava tiskoveho dozoru", eine übergeordnete Behörde zur Kontrolle der Medien, der die Aufgabe der Zensur zukam. Im Jahre 1953 begann das Tschechoslowakische Fernsehen zu senden. Bis 1957 gehörte das Tschechoslowakische Fernsehen allerdings zum Tschechoslowakischen Rundfunk. Anfang der 1960er begann die FM-Übertragung im Frequenzbereich von 60-80 MHz in der in Osteuropa gängigen Norm auf dem Kanal Tschechoslowakei II.
In den 1960er Jahren kam es zu einer allmählichen politischen Liberalisierung, die sich die tschechoslowakischen Medien zu Nutze machten, wann immer es nur ging. Und der Tschechoslowakische Rundfunk bildete in dieser Hinsicht keine Ausnahme. Am 21. August 1968 wurde dem sog. Prager Frühling ein jähes Ende bereitet: Truppen der Warschauer-Pakt-Staaten marschierten ein. Ähnlich wie Ende des Zweiten Weltkriegs kam es zu Kämpfen um den Rundfunk. Der Zusammenstoß von Rundfunkmitarbeitern mit sowjetischen Soldaten forderte 15 Todesopfer und endete mit der Besetzung des Rundfunks. Einigen Rundfunkmitarbeitern gelang es jedoch, den Sendebetrieb von anderen Gebäuden aus aufrecht zu erhalten. Vom eigentlichen Rundfunkgebäude aus wurde ab dem 9. September wieder gesendet. In der Folgezeit, die als Zeitalter der Normalisierung bezeichnet wurde, mussten Hunderte von Redakteuren den Rundfunk verlassen. Der Grund waren ihre politischen Ansichten.
Im Jahre 1970 entstand der landesweite Kanal "Hvezda" (Stern), der täglich 24 Stunden lang Nachrichten sendete. Im selben Jahr wurde auf den FM-Sendern vermehrt mit der Stereo-Übertragung begonnen. Im Jahr 1972 begann der Sender "Vltava" (Moldau) mit seiner Arbeit, der sich vorwiegend auf klassische Musik und Literatur ausrichtete. Außerdem ging das "Interprogramm" von Radio Prag mit einem fünfstündigen Musikprogramm auf Sendung, das in fünfzehnminütigen Abständen von Nachrichten in den Sendesprachen Tschechisch, Slowakisch, Deutsch, Französisch und Englisch unterbrochen wurde. Das "Interprogramm" war für in der Tschechoslowakei lebende Ausländer bestimmt sowie für die Bewohner der Nachbarländer. In den 1970er Jahren erreichte das Sendevolumen von "Radio Prag" auf Kurzwelle seinen Höhepunkt: Gesendet wurde in zehn Sprachen insgesamt 37 Stunden täglich. In diesem Geiste setzte der Tschechoslowakische Rundfunk seine Arbeit bis zum Fall des kommunistischen Regimes fort. Kurz vorher, genauer gesagt 1988, wurde unter dem Einfluss der "Perestrojka" die Störung ausländischer Sender in der Tschechoslowakei eingestellt.
Nach der Samtenen Revolution, die im November 1989 vonstatten gegangen war, befreite sich der Tschechoslowakische Rundfunk Schritt für Schritt von dem "ideologischen Ballast" der kommunistischen Ära und fand zurück zu seinen ursprünglichen Zielen: unvoreingenommen zu informieren, seinen Hörern die Möglichkeit zu bieten sich zu bilden und sich zu unterhalten. Radio Prag führte seinen ursprünglichen Jingle aus der 9. Symphonie Antonin Dvoraks' namens "Aus der neuen Welt" wieder ein, den es bereits seit dem Jahr 1936 zur Ankündigung seiner Sendungen benutzt hatte. Im Jahr 1990 wurde der Tschechoslowakische Rundfunk Mitglied der EBU (European Broadcasting Union), der Vereinigung europäischer und nordafrikanischer Rundfunkanstalten. Im darauffolgenden Jahr wurde ein Gesetz erlassen, demzufolge der Tschechoslowakische Rundfunk zu einer öffentlichen Institution umstrukturiert wurde, die nicht mehr vom Staat abhängig ist und sich durch Konzessionsgebühren finanziert. Der Generaldirektor wird vom Rat ernannt, der wiederum vom Parlament gewählt wird. Das oben genannte Gesetz ermöglichte weiterhin die Entstehung kommerzieller Radiosender.
Nach der Spaltung der Tschechischen und Slowakischen Föderativen Republik in zwei eigenständige Staaten im Januar 1993 wurde aus dem Tschechoslowakischen Rundfunk der Tschechische Rundfunk. Er umfasste drei landesweite Sender und ein Netz von regionalen Studios. Zu den landesweiten Sendern gehört das "Radiozurnal" (Musik- und Nachrichtensender), der Sender "Praha" (Familiensender mit Informations- und Unterhaltungsprogrammen) und "Vltava" (Klassische Musik und Literatur). Im Jahr 1995 entstand der neue landesweite Sender Tschechischer Rundfunk 6 / Radio Freies Europa, dessen Programm auf die Bereiche politische Berichterstattung, Analysen und Kommentare ausgerichtet ist. Das Programm des Senders setzte sich zu Beginn aus Beiträgen der Sender des Tschechischen Rundfunks, der Sendungen von Radio Freies Europa in tschechischer Sprache, der BBC, der Deutschen Welle und des Senders Stimme Amerikas zusammen. Die Partnersender lösten nach und nach die Zusammenarbeit, so dass der Sender seit 2002 als Tschechischer Rundfunk 6 funktioniert und das Programm gänzlich mit Beiträgen abdeckt, die im Tschechischen Rundfunk entstehen. Im Jahr 2000 wurde das neue Studiohaus des Tschechischen Rundfunks eingeweiht, das mit modernsten Digitalstudios ausgestattet ist.
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