Die Auslandssendungen des Tschechischen Rundfunks 
19-7-2019, 07:54 UTC
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40. Todestag von Jan Palach
11. August 1948 - 19. Januar 1969
Vor 40 Jahren, am 16. Januar 1969 entflammte auf dem Wenzelsplatz in Prag ein Feuer. Der 20jährige Student Jan Palach hatte sich mit Benzin übergossen und daraufhin selbst angezündet, um öffentlich gegen die Okkupation der damaligen Tschechoslowakei durch die Warschauer Paktstaaten im August 1968 zu protestieren.
Drei Tage kämpfte Jan Palach mit den Folgen der Verbrennungen in einer Prager Klinik. Er rang um sein Leben. Trotz seines kritischen Gesundheitszustands und der starken Schmerzen erklärte er der Umgebung die Motive seiner Tat und interessierte sich auch für die Reaktion seitens der Öffentlichkeit. "In der Geschichte gibt es Momente, wo es notwendig ist, etwas zu tun. Nun ist die Zeit dafür gekommen. In einem halben Jahr, in einem Jahr wird es schon für immer zu spät sein," sagte der junge Mann, der sich bei seiner Tat zwar des Todesrisikos bewusst war, aber trotzdem nicht sterben wollte.
Jan Palach wurde am 11. August 1948 geboren. Er wuchs im kleinen mittelböhmischen Städchen Všetaty bei Mělník auf. Nach dem Abitur am Gymnasium in Mělník begann er an der ökonomischen Hochschule zu studieren, im zweiten Studienjahr wechselte er jedoch zur Philosophischen Fakultät der Karlsuniversität, wo er sich für die Fächer Geschichte und politische Ökonomie einschrieb. Sein Interesse für das aktuelle Geschehen belegt u.a. Palachs Seminararbeit vom Herbst 1968, in der er einen Weg suchte, wie die wirkliche Freiheit des Einzelnen und die Gleichheit zwischen Nationen erreicht werden kann.
Begräbnis von Jan Palach (Foto: ČTK)Begräbnis von Jan Palach (Foto: ČTK)
Im November 1968 nahm Jan Palach an einem Studentenstreik teil, der auf die Versammlung des Zentralkommitees der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei reagierte. Dem Studentenprotest gegen die Massnahmen des Zentralkommitees, die die August-Okkupation durch die Truppen des Warschauer Paktes legalisiert hatten, war jedoch kein Erfolg beschieden. Jan Palach entschloss sich daher einige Wochen später für einen radikaleren Schritt.
Das Begräbnis des Studenten Jan Palach am 25. Januar verwandelte sich in eine Massendemonstration für Freiheit und Demokratie. Sein Grabmal am Olšany-Friedhof in Prag wurde zum Symbol des Widerstands gegen das kommunistische Regime. Viele Leute besuchten dieses Grab, obwohl sie dabei von der Geheimpolizei bespitzelt wurden. Im Oktober 1973 wurden Palachs sterbliche Überreste nach Všetaty verlegt. Auch danach galt die Grabstätte auf dem Olšany-Friedhof als Treffpunkt von Regimegegnern, die sich hier - aber auch in Všetaty und an der St.-Wenzels-Statue auf dem Prager Wenzelsplatz - alljährlich zum Todestag Jan Palachs versammelten.
Im Januar 1989 riefen fünf unabhängige Initiativen zu einer Demonstration zum 20. Todestag Jan Palachs auf dem Prager Wenzelsplatz auf. Bei der Kranzniederlegung am St.-Wenzels-Denkmal wurden 14 Repräsentanten der Opposition abgefangen. Die Demonstration bedeutete den Beginn der sog. Palach-Woche, während der an jedem Nachmittag - vom Montag dem 16. bis Donnerstag dem 19. Januar - Tausende Bürger gegen das kommunistische Regime protestierten. Die Polizei jagte die Demonstranten mit Hilfe von Wasserwerfern auseinander, 1400 Personen wurden gefangengenommen. Der Name Jan Palach erklang auf den Strassen auch am 28. Oktober 1989 während der Kundgebung zum 71. Gründungsjubiläum der Tschechoslowakei und während der "samtenen Revolution" im November desselben Jahres.
1990 wurden die sterblichen Überreste von Jan Palach unter Teilnahme von Präsident Václav Havel feierlich an ihre ursprüngliche Stelle, auf den Friedhof in Prag-Olšany umgebetet. Ein Jahr später erhielt Jan Palach in memoriam die höchste tschechoslowakische Staatsauszeichnung - den T. G. Masaryk-Orden.
Die Palach-Woche
15. - 20. Januar 1989
Anfang Januar 1989 kündigten fünf unabhängige Bürgerinitiativen, darunter die Charta 77, für den 20. Todestag von Jan Palach einen Gedenkakt auf dem Prager Wenzelsplatz an. Die Staatsmacht reagierte mit aller Gewalt. Über 3.000 Polizisten gingen mit Wasserwerfern und Tränengas gegen die Demonstraten vor.
Der harte Polizeieinsatz hatte jedoch unerwartete Folgen für das Regime. Zum einen protestierten westliche Regierungen gegen das Vorgehen der Polizei. Zum anderen ließen sich die Menschen im Lande von Wasserwerfern und Tränengas nicht einschüchtern - im Gegenteil. Auch an den kommenden Tagen kamen stets einige Hunderte, ja Tausende auf den Wenzelsplatz, um ihren Mißmut zu demonstrieren...
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Das Jahr 1969
Zu Beginn des neuen Jahres wollen wir Sie in das Jahr 1969 einladen und daran erinnern, was vor 40 Jahren passierte, was die Gemüter der Tschechinnen und Tschechen bewegte und wie die Reformversuche des Prager Frühlings Schritt für Schritt wieder rückgängig gemacht wurden...


Jan Palach - Gedenken
Ein Beitrag von Andrea Kopelentová:
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Was denken die jungen Leute über den Tod Jan Palachs:
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