
Das Kohlekraftwerk Prunéřov ist das größte Heizkraftwerk in Tschechien.
Es steht am Rande des Erzgebirges. In Prunéřov wird seit den 60er Jahren
Braunkohle verfeuert, mit der entsprechenden Belastung für die Luft in
Nordböhmen. Auch die Emissionen dieses Kraftwerks haben zum Waldsterben im
Erzgebirge beigetragen. Nun will der halbstaatliche tschechische
Energieriese ČEZ den zweiten der beiden Kraftwerksblöcke modernisieren.
Das Umweltministerium sollte das Modernisierungsvorhaben beurteilen. Das
Ergebnis: Umweltminister Dusík hat deswegen seinen Rücktritt aus der
Regierung eingereicht.


Demokratische Tschechoslowakei zusammen. Mit dem Münchner Abkommen wurde
die Tschechoslowakei zur Abtretung der Sudetengebiete an Deutschland
gezwungen. In der Folge radikalisierte sich während der so genannten
„Zweiten Republik“ die tschechoslowakische Gesellschaft – also noch
vor dem Einmarsch Hitlers in Böhmen und Mähren Mitte März 1939. Auch der
Antisemitismus wurde stärker, der zuvor hierzulande kaum spürbar gewesen
war. Die damaligen Berufskammern fingen an, die jüdischen Kollegen zu
diskriminieren. Nun, 72 Jahre später, hat sich die tschechische
Ärztekammer für die Schikanierung jüdischer Ärzte offiziell
entschuldigt.


Petr Uhl – Jahrgang 1941 - ist Publizist und Bürgerrechtler, er ist
Demokrat und Europäer. Es gab Zeiten, da konnte man ihn mit Fug und Recht
als Ultralinken bezeichnen. Die Kommunisten haben Petr Uhl trotzdem oder
gerade deshalb insgesamt neun Jahre ins Gefängnis gesteckt. Er war
Mitverfasser der Charta 77; ebenso mit Václav Havel hat er ein Jahr
später das „Komitee zur Verteidigung zu Unrecht Verfolgter“
gegründet. Bis heute ist Uhl seinen linken Überzeugungen treu geblieben.
Und für manchen Deutschen - erst recht aber für viele Tschechen - ist es
daher umso schwieriger zu verstehen, dass sich Petr Uhl intensiv für die
Verständigung mit den Sudetendeutschen einsetzt. 2008 hat er dafür den
„Europäischen Karlspreis der Sudetendeutschen“ bekommen. Am Donnerstag
wurde bekannt, wer den Karlspreis 2010 bekommen wird. Darüber sprach
Christian Rühmkorf kurz nach der Bekanntgabe mit Petr Uhl.


Die Themen der tschechischen Zeitungskommentatoren in dieser Woche: Der
Rücktritt von Umweltminister Dusík, der Brandanschlag auf Roma in
Ostrava, und ein Interview mit der deutschen Vertriebenenvorsitzenden Erika
Steinbach.


Im tschechischen Sport fehlt es an Geld. Einen Teil dazu beigetragen hat
die weltweite Krise, ein entscheidender Knackpunkt aber ist das
Finanzgebaren der Lotteriegesellschaft Sazka. Aus dem Lottogeschäft soll
sie für ihre Aktionäre, die Sportverbände, die zum Handeln notwendigen
Gelder requirieren. Im letzten Jahr aber hat Sazka die Sportförderung
stark reduziert. Im Vorfeld der Parlamentswahlen meldete sich dazu auch die
Politik zu Wort; allen voran Sozialdemokratenchef Paroubek, der den Sport
gebührend unterstützen will.


Wir schreiben das Jahr 1985. Das kommunistische Regime sitzt noch fest im
Sattel und nichts deutet auf den nicht einmal fünf Jahre später
folgenden
Zusammenbruch des Systems hin. Dennoch: schon damals begann man sich über
das Thema Umweltschutz Gedanken zu machen. Mitte März 1985 fand in Prag
eine deutsch-tschechoslowakische Umweltschutzkonferenz statt. Das
Erstaunliche dabei: die kommunistische Regierung diskutierte nicht etwa
mit
einer Delegation aus Ostberlin, sondern mit Vertretern der Bundesrepublik
und des Landes Nordrhein-Westfalen.


Wieder einmal sind zwei Wochen vergangen. Im Hörerforum erfahren Sie nun,
was wir in unserem prall gefüllten Briefkasten gefunden haben.

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Petr Uhl – Jahrgang 1941 - ist eigentlich über jeden Zweifel an seiner
Person erhaben. Die Kommunisten sperrten ihn insgesamt neun Jahre ins
Gefängnis. Er war Mitverfasser der Charta 77. Ebenso mit Václav Havel hat
er ein Jahr später das „Komitee zur Verteidigung zu Unrecht
Verfolgter“ gegründet. Heute ist Petr Uhl Publizist und Bürgerrechtler,
er ist Demokrat und Europäer. Bis heute ist er seinen linken bis
ultralinken Überzeugungen treu geblieben. Petr Uhl ist einer der wenigen
Tschechen, die sich intensiv für die Verständigung mit den
Sudetendeutschen einsetzen. 2008 hat er dafür den „Europäischen
Karlspreis der Sudetendeutschen“ bekommen. Über den Karlspreis, seine
Erinnerungen an die Vertreibung der Deutschen sowie die Aufarbeitung dieses
Kapitels in Tschechien, darüber sprach Christian Rühmkorf am
Donnerstagabend mit Petr Uhl.


Die Tschechoslowakei 1981: Der Kommunismus scheint unbesiegbar, man
konzentriert sich auf das Privatleben, ein Gefühl der Lähmung hat die
gesamte Gesellschaft erfasst. Höchst agil sind dagegen die Mitarbeiter der
Staatssicherheit, der Statní bezpečnost (StB): Bis in die Intimsphäre
der Menschen dringen sie vor, beobachten, notieren, drohen. Diese Zeit hat
der Regisseur Radim Špaček filmisch eingefangen - der atmosphärisch
dichte Thriller „Pouta“ („Fesseln“) über den StB-Mitarbeiter
Antonín Rusnák läuft gerade in den tschechischen Kinos.


Das Schloss Zbiroh, das sich über dem gleichnamigen Städtchen erhebt, war
während der kommunistischen Ära eine Art Sperrzone. Denn in den
Räumlichkeiten des Neorenaissancegebäudes war eine Spionagezentrale
untergebracht. In einer der letzten Ausgaben der Sendereihe „Reiseland
Tschechien“ haben wir Sie schon nach Zbiroh eingeladen. Dabei haben wir
versprochen, Ihnen noch einiges aus der Geschichte des historischen
Baudenkmals zu verraten, das heutzutage in Privathänden ist.


Wir haben zwar nicht mehr damit gerechnet, aber offenbar geht auch dieser
Winter zu Ende. Unter dem blauen Himmel ist seit einigen Tagen immer wieder
mal Prager Frühling. Manche der traditionell sport- und bergverliebten
Tschechen packen noch schnell ihre Ski aufs Auto und unternehmen eine
letzte Fahrt zum Schnee. Zum Beispiel ins benachbarte Österreich.


Seit gut sieben Jahrhunderten wird nach dem Grab einer der beliebtesten
böhmischen Heiligen, der Königstochter Agnes gesucht. Der Grund dafür
mag eine Prophezeiung sein, dass nach dem Auffinden des Grabes Ruhe ins
Land einkehren wird. Für uns Anlass, das Leben der Agnes und den Kult um
die Heilige eingehender zu betrachten.


Hallo und willkommen bei Tschechisch gesagt, liebe Hörerinnen und Hörer.
Schon in den vergangenen Ausgaben haben wir uns angezogen– oblékat se,
heute ist die Fußbekleidung an der Reihe. Wenn man sich im Tschechischen
die Schuhe anzieht, dann beschuht man sich – obouvat se.


Sie sind jung und sehr unzufrieden. Gemeint sind tschechische Ärzte, die
sich nach dem Abschluss ihres Studiums auf ihre Facharztprüfung
vorbereiten müssen. Die erste Anlernphase für die frischgebackenen
Mediziner dauert aufgrund einer neuen Regelung nun zweieinhalb Jahre. Radio
Prag hat am Montag dieser Woche darüber berichtet. Die Regelung ist seit
Juli 2009 in Kraft und nach knapp einem Vierteljahr ist sie zum Zankapfel
zwischen der vor wenigen Tagen gegründeten Bürgerinitiative „Junge
Ärzte“ und dem Gesundheitsministerium geworden. Die Ärzte haben am
vergangenen Wochenende bei einem Treffen mit der Gesundheitsministerin die
Aufhebung des neuen Systems gefordert. An dem Treffen hat auch Dr. Michal
Boháč teilgenommen, der als Arzt in Deutschland arbeitet.

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